Lieferketten sind längst ein Investmentfaktor: Im Interview erklären die ESG-Analystinnen von Union Investment Janina Bartkewitz und Anne-Katrin Leonard, wie Nachhaltigkeit, Lieferkettenrisiken und KI die Bewertung globaler Unternehmen verändern.
bei Union Investment
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Welche Rolle spielen ESG-Kriterien und das Lieferkettensorgfaltspflichten-
gesetz bei der Bewertung von Unternehmen mit globalen Lieferketten?
ESG-Kriterien sind integraler Bestandteil unserer Bewertung global agierender Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verstärkt trotz vorgenommener Anpassungen die regulatorischen Anforderungen und macht verantwortungsvolles Handeln entlang der gesamten Lieferkette zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal.
Unternehmen, die diese Anforderungen proaktiv angehen, demonstrieren ein nachhaltiges Risikomanagement und eine starke Governance, was sich positiv auf die Einschätzung ihrer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität auswirkt.
Darüber hinaus fördern wir den aktiven Dialog mit Unternehmen, um deren Fortschritte und Herausforderungen im Bereich ESG besser zu verstehen und zu begleiten. So tragen wir dazu bei, dass unternehmerische Nachhaltigkeit und gesetzliche Compliance Hand in Hand gehen.
Gibt es Fonds bei Union Investment, die gezielt auf nachhaltige Lieferketten setzen, und welche Kriterien legen Sie dabei an?
Bei Union Investment gibt es derzeit keine speziellen Fonds, die ausschließlich auf nachhaltige Lieferketten fokussieren. Allerdings sind Aspekte der nachhaltigen Lieferkette ein wichtiger Teil unserer ESG-Produktpalette. Unsere ESG-Fonds berücksichtigen die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards entlang der Wertschöpfungskette. Dabei prüfen wir sorgfältig Transparenz, Sorgfaltspflichten, Zertifizierungen und die Verantwortung der Unternehmen für transparente Lieferketten.
Wie managt und bewertet Union Investment Lieferkettenrisiken bei Investitionen?
Union Investment bewertet Lieferkettenrisiken durch eine umfassende Kombination aus qualitativen und quantitativen Analysen. Dabei berücksichtigen wir insbesondere die geografische Diversifikation der Lieferanten, Abhängigkeiten von einzelnen Zulieferern sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) entlang der gesamten Lieferkette.
Zur Bewertung nutzen wir ESG-Daten, Analysen von Drittanbietern und führen einen aktiven, direkten Dialog mit den Unternehmen. Dieser Ansatz ermöglicht uns, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen, wie zum Beispiel Verstöße gegen Umweltstandards, Menschenrechtsverletzungen oder Governance-Mängel.
Identifizierte Risiken werden je nach Schweregrad durch gezielte Engagement-Maßnahmen adressiert, etwa durch Gespräche zur Verbesserung der Unternehmenspraktiken. Bei anhaltenden oder gravierenden Problemen kann dies auch eine reduzierte Gewichtung der Position im Portfolio oder im Extremfall den Ausschluss aus dem Investmentuniversum zur Folge haben.
Dieser strukturierte Prozess trägt dazu bei, nachhaltige Wertschöpfung zu sichern, Risiken für Investoren zu minimieren und Unternehmen bei der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sowie der Verbesserung ihrer ESG-Performance zu unterstützen. Zudem stellt er sicher, dass wir angesichts sich verschärfender regulatorischer Rahmenbedingungen zukunftsfähig und verantwortungsbewusst investieren.
Wie bewerten Sie Unternehmen, die in innovative Lieferkettenlösungen wie KI und Blockchain investieren, und welche Trends sehen Sie hier?
Innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain bieten ein großes Potenzial, Lieferketten transparenter, effizienter und widerstandsfähiger zu gestalten. Unternehmen, die diese Technologien strategisch und gezielt einsetzen, sind besser in der Lage, Risiken frühzeitig zu erkennen, Prozesse zu automatisieren und die Nachverfolgbarkeit von Rohstoffen und Produkten zu verbessern.
KI ermöglicht beispielsweise die Analyse großer Datenmengen zur Vorhersage von Lieferengpässen oder das Erkennen von Anomalien, während Blockchain-Technologie eine fälschungssichere und transparente Dokumentation der gesamten Lieferkette gewährleistet. Dies trägt nicht nur zur Einhaltung von regulatorischen Anforderungen und ESG-Standards bei, sondern stärkt auch das Vertrauen.
Aktuelle Trends zeigen, dass die Digitalisierung und das datenbasierte Risikomanagement zunehmend integrale Bestandteile moderner Lieferketten sind. Die Fähigkeit, diese Technologien effektiv zu nutzen, wird in Zukunft maßgeblich darüber entscheiden, wie resilient und nachhaltig Unternehmen agieren können.
Daher legen wir bei unserer Bewertung großen Wert darauf, wie innovativ Unternehmen im Bereich Lieferkettenmanagement aufgestellt sind und wie sie technologische Entwicklungen nutzen, um ökologische und soziale Risiken langfristig zu adressieren.
Wie beeinflussen aktuelle geopolitische Krisen und wirtschaftliche Herausforderungen Ihre Bewertung von Unternehmen mit globalen Lieferketten?
Geopolitische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöhen die Komplexität und Risiken globaler Lieferketten erheblich. In unserer Bewertung legen wir daher besonderen Fokus auf die Resilienz der Lieferketten, deren Diversifikation sowie auf die Strategien der Unternehmen zur Absicherung gegen solche Risiken.
Wir achten darauf, wie flexibel Unternehmen auf sich verändernde Rahmenbedingungen – etwa Handelsbeschränkungen, Sanktionen oder regionale Konflikte – reagieren und wie schnell sie alternative Bezugsquellen erschließen oder Produktionsstandorte verlagern können. Darüber hinaus bewerten wir das Management dieser Risiken durch den Einsatz von Technologien, wie etwa Supply-Chain-Tracking oder intelligente Frühwarnsysteme, die helfen, potenzielle Störungen frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Unternehmen, die politische und wirtschaftliche Entwicklungen aktiv verfolgen und ihre Strategien laufend anpassen, sind dadurch besser aufgestellt.
Die fortlaufende Beobachtung der politischen Lage und die enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen ermöglichen es uns, Investmententscheidungen dynamisch und risikoorientiert auszurichten.
Wie nimmt Union Investment als Investor aktiv Einfluss auf das Lieferkettenmanagement von Unternehmen und können Sie Erfolgsbeispiele nennen?
Union Investment engagiert sich aktiv im Dialog mit Unternehmen, um ein verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement zu fördern und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.
Ein Beispiel aus unserem gezielten Engagement im Bereich Biodiversität verdeutlicht, wie wir gemeinsam Fortschritte in der Lieferkettensorgfalt erzielen konnten: Wir haben ein großes Unternehmen aus der Konsumgüterbranche ermutigt, verbindliche Ziele zur Vermeidung von Entwaldung entlang seiner Wertschöpfungskette zu setzen und den Umgang mit den künftig strengeren Anforderungen an Messung und Berichterstattung zu optimieren. Im konstruktiven Dialog erhielten wir tiefgehende Einblicke in die Biodiversitätsstrategie des Unternehmens und diskutierten intensiv zentrale Themen wie die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe, angewandte Messgrößen sowie Governance-Strukturen.
Ein konkreter Erfolg unseres Engagements war die Integration von ESG-Kennzahlen in die variable Vergütung der Geschäftsleitung. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie gezieltes und wirkungsvolles Engagement dazu beiträgt, ESG-Aspekte fest in der Unternehmenssteuerung zu verankern. Es zeigt exemplarisch, wie wir durch kontinuierlichen Dialog nachhaltige Veränderungen anstoßen und Unternehmen bei der Einhaltung hoher sozialer und ökologischer Standards unterstützen.
Mehr zum Thema Union Investment und Nachaltigkeit: https://unternehmen.union-investment.de/verantwortung/nachhaltigkeit
Lesen Sie auch, wie Sie Resilienz und Liefersicherheit in der Supply Chain für eine krisenfeste Zukunft steigern: Zum Artikel —> „Supply Chain Managment – Herausforderungen 2026 meistern“
Kontakt:
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Damir Berberovic
Tel.: 0211 941 984 33 | Mail: rendite@kloepfel-consulting.com
