Wie Sale & Lease/Buy Back Unternehmen in Sondersituationen neuen finanziellen Spielraum verschafft
Herr von der Goltz, was unterscheidet Sale & Lease/Buy Back vom klassischen Bankkredit – und wann ist es die bessere Alternative?
Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei Sale & Lease/Buy Back nicht in erster Linie auf die Bonität des Unternehmens abgestellt wird. Ein Bankkredit ist immer eine ratingabhängige Finanzierungsquelle. Das Asset-Finance-Modell orientiert sich dagegen vor allem an der Werthaltigkeit und Fungibilität der Objekte. Bei uns geht es speziell um mobiles, gebrauchtes Anlagevermögen, insbesondere Maschinenparks und schwere Fuhrparks produzierender Unternehmen. Damit wird das Modell vor allem dann zur Alternative, wenn die Bonität für einen klassischen Bankkredit nicht mehr ausreicht. Das kann bei einer Sanierung oder Restrukturierung der Fall sein, aber auch nach einem einmaligen Vorfall, der eine Bank bei Neuanfragen oder Kreditverlängerungen zurückhaltend werden lässt.
Wie läuft die Bewertung von Maschinen und Fuhrparks ab – und welche Assets eignen sich, welche nicht?
Zu Beginn fordern wir für eine erste Schreibtischbewertung einen detaillierten Anlagespiegel an. Dieser enthält unter anderem Angaben zu Herstellern, Baujahren und ursprünglichen Anschaffungskosten. Auf dieser Grundlage erstellen wir eine erste Indikation.
Für uns sollte sich daraus ein Finanzierungsvolumen von mindestens 500.000 Euro ergeben; nach oben reicht ein einzelnes Ticket bis zu 20 Millionen Euro. Ist die Finanzierung für beide Seiten interessant, beauftragt der Unternehmer einen unabhängigen Maschinensachverständigen. Dieser inventarisiert und bewertet den gesamten Maschinenpark zu Zeit- beziehungsweise Marktwerten. Das Gutachten liegt meist nach zehn Tagen bis zwei Wochen vor und bildet die wesentliche Grundlage der Finanzierung.
Geeignet sind fungible, zweitmarktfähige und mobile Assets. Nicht finanziert werden in der Regel fest mit einer Immobilie verbundene oder verkettete Anlagen sowie Spezialmaschinen und Sonderbauten, die nicht verbringbar sind oder keinen relevanten Zweitmarkt haben.
Was kostet Sale & Lease/Buy Back im Vergleich zum klassischen Kredit – und was geschieht, wenn ein Unternehmen die Objekte am Ende der Laufzeit nicht zurückkaufen oder ablösen kann?
Ein direkter Vergleich mit einem klassischen Kredit greift meist zu kurz, weil dieser dem Unternehmen in der betreffenden Situation häufig gar nicht mehr zur Verfügung steht. Auch Mezzanine-Kapital ist bonitätsabhängig und scheidet daher vielfach aus.
Sale & Lease/Back wird genutzt, wenn eine Bankfinanzierung nicht möglich ist – oder als zusätzliche Liquiditätsquelle, um die Finanzierung zu diversifizieren und die Abhängigkeit von einzelnen Kapitalgebern zu reduzieren.
Die effektiven Kosten liegen in der Regel bei etwa neun bis elf Prozent all-in. Üblich sind Teilamortisationsverträge mit einer Laufzeit von vier Jahren. Am Ende verbleibt ein Restwert, den das Unternehmen bezahlt; beim Mietkauf geht das Eigentum mit der letzten Rate automatisch über.
Gerät das Unternehmen bereits während der Laufzeit erneut in eine schwere Krise und wird insolvent, wird entweder durch den Insolvenzverwalter eine Fortführungslösung erarbeitet, bei der ein Erwerber die Maschinen übernimmt, oder die Anlagen werden im Zuge einer Liquidation verwertet.
Was kann Sale & Lease/Buy Back bei Liquiditätsengpässen, Restrukturierungen oder Insolvenzen leisten, was klassische Finanzierungen häufig nicht können?
Es kann genau dann Liquidität bereitstellen, wenn sie am dringendsten benötigt wird. Das gilt etwa für Sanierungen, vorinsolvenzliche Restrukturierungen, die Ablösung von Banken oder Gesellschaftern und klassische Liquiditätsengpässe. Auch gesundes Wachstum kann einen hohen Vorfinanzierungsbedarf erzeugen, den eine Bank nicht immer begleitet.
In vielen Unternehmen bindet ein über Jahre oder Jahrzehnte bezahlter Maschinenpark erhebliche stille Reserven. Eine Bank kann diese oft nicht als Sicherheit bewerten. Die objektbasierte Finanzierung ermöglicht es, diese Reserven zu heben und dem Unternehmen frisches Kapital zuzuführen.
Können Sie an einem konkreten Praxisbeispiel zeigen, wie Sale & Lease/Buy Back einem Unternehmen geholfen hat?
Ein Beispiel ist ein Hersteller von Getriebeteilen für Elektrofahrräder und Motorräder mit einem umfangreichen Maschinenpark in der zerspanenden Metallverarbeitung.
Während des Booms der Elektromobilität war das Unternehmen bei Banken sehr gefragt und absolvierte einen mehrfach überzeichneten Börsengang. Nach der Corona-Pandemie erlitt der Markt jedoch einen deutlichen Dämpfer. Obwohl das Unternehmen weiterhin über einen hohen finanziellen Puffer und Eigenkapitalreserven verfügte, wollten sich die Banken zunehmend aus dem Engagement zurückziehen. Um mindestens eine Bank abzulösen, benötigte das Unternehmen dringend alternative Liquidität.
Über ein Sale & Lease/Buy Back des gesamten Maschinenparks flossen fast 14 Millionen Euro zu. Damit konnte die Umfinanzierung umgesetzt werden. Das Unternehmen ist bis heute erfolgreich unterwegs. Später wurde der Maschinenpark erneut bewertet und die Finanzierung wiederholt. Auf diese Weise konnten wir wesentlich zur nachhaltigen Stabilisierung des Unternehmens beitragen.
Wie schnell kann ein Unternehmen vom Erstkontakt bis zur Auszahlung mit frischem Kapital rechnen?
In der Regel dauert der gesamte Prozess rund sechs Wochen. Nach der Erstanfrage erstellen wir anhand des Anlagespiegels eine erste Indikation. Entscheidet sich das Unternehmen anschließend für die Beauftragung eines Gutachters, folgen die Bewertung, die Prüfung der Eigentumsrechte sowie gegebenenfalls die Freistellung von Sicherheiten durch Gläubiger. Nach Vorlage des Gutachtens dauert es meist vier bis sechs Wochen bis zur Auszahlung. Damit steht die benötigte Liquidität auch in zeitkritischen Situationen vergleichsweise schnell zur Verfügung.
Über den kurzfristigen Liquiditätseffekt hinaus: Wie verändert Sale & Lease/Buy Back langfristig die Verhandlungsposition gegenüber der Hausbank?
Wenn durch die Transaktion stille Reserven gehoben werden, kann sich die wirtschaftliche Eigenkapitalquote verbessern. Das stärkt die Bilanz und kann zu einer besseren Bonität führen, was eine Bank bei späteren Kreditanfragen positiv berücksichtigen kann.
Zunächst liegt die entscheidende Wirkung jedoch im Liquiditätszufluss. Er ermöglicht es dem Unternehmen, eine Sanierung oder Restrukturierung erfolgreich zu bewältigen und die angespannte Situation zu verlassen. Danach kann das Unternehmen der Bank aus einer deutlich stärkeren Position wieder gegenübertreten.
Warum weisen Banken Unternehmen, denen sie selbst keinen Kredit gewähren können, nicht häufiger auf alternative Finanzierungslösungen hin?
Das wäre naheliegend, geschieht aber leider noch zu selten. Einzelne Bankmitarbeiter denken durchaus über den eigenen Tellerrand hinaus, insgesamt erleben wir Banken jedoch nur selten als aktive Multiplikatoren für Lösungen außerhalb ihres eigenen Hauses. Dabei könnte eine solche Empfehlung auch die Position der Bank stärken, sofern sie den Kunden langfristig halten möchte. Der Kunde wiederum wäre dankbar für einen konkreten Lösungsweg. Gerade deshalb steht KLOEPFEL by EPSA und ich in engem Austausch. In solchen Situationen können alternative Finanzierung und Einkaufsoptimierung einander sinnvoll ergänzen. Wo wir unterstützen können, kann häufig auch Kloepfel by EPSA helfen – und umgekehrt.
Sie möchten mehr über Sale & Lease/Buy Back erfahren oder prüfen, ob das Modell für Ihr Unternehmen infrage kommt? Nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit Carl-Jan von der Goltz auf:
Carl-Jan von der Goltz
Geschäftsführender Gesellschafter
Maturus Finance GmbH
E-Mail: goltz@maturus.com
Telefon: +49 40 22 63 388-10
