Wie Lebensmittelhersteller sparen und gleichzeitig PPWR-konform werden
Im Interview erläutern unsere Verpackungsexperten, welche typischen Fehler die Kosten unnötig in die Höhe treiben und wie Unternehmen ihre Verpackungsstrategien optimieren können. Außerdem zeigen sie auf, welche Auswirkungen die neuen regulatorischen Vorgaben auf die Lebensmittelindustrie haben werden.
Im Interview erfahren Sie unter anderem:
- Wie Lebensmittelhersteller Verpackungskosten senken können
- Welche Einsparpotenziale bei Verpackungen bestehen
- Welche Auswirkungen die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) auf Lebensmittelverpackungen hat
- Warum recyclingfähige und PPWR-konforme Verpackungen künftig wichtiger werden
- Welche Maßnahmen Unternehmen jetzt ergreifen sollten, um Verpackungskosten zu reduzieren und regulatorische Anforderungen zu erfüllen
Wo liegen bei Lebensmittelherstellern heute die größten versteckten Einsparpotenziale bei Verpackungen? Welche typischen Fehler treiben die Verpackungskosten unnötig in die Höhe?
Die größten Einsparpotenziale liegen häufig in historisch gewachsenen Lieferantenstrukturen und Verpackungsportfolios, die über Jahre nicht hinterfragt wurden. Viele Unternehmen beziehen Verpackungen noch immer bei denselben Lieferanten wie vor zehn oder zwanzig Jahren, ohne regelmäßig Marktvergleiche oder Ausschreibungen durchzuführen. Gleichzeitig wird die Warengruppe Verpackung oft nicht strategisch betrachtet.
Das führt dazu, dass Verpackungen überdimensioniert sind, unnötig viele Varianten existieren oder neue Verpackungslösungen für jede Produktaktion entwickelt werden. Hinzu kommt, dass Einkauf, Produktion und Marketing häufig nicht ausreichend abgestimmt zusammenarbeiten. So entstehen beispielsweise aufwendige Druckbilder mit zusätzlichen Farben, Lacken oder Sonderausführungen, die keinen echten Mehrwert für den Verbraucher schaffen, aber die Kosten deutlich erhöhen. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Bündelung von Bedarfen, wodurch Unternehmen auf die Vorteile größerer Einkaufsvolumina verzichten.
Wie viel Einsparung ist bei Verpackungen realistisch, ohne die Produktqualität oder Markenwirkung zu gefährden?
Das hängt stark von der jeweiligen Verpackung und vom Ausgangsniveau des Unternehmens ab. In der Praxis sehen wir jedoch häufig Einsparpotenziale zwischen fünf und 25 Prozent. Besonders hohe Einsparungen sind möglich, wenn Verpackungen über längere Zeit nicht systematisch überprüft wurden oder keine regelmäßigen Ausschreibungen stattfinden. Dabei geht es nicht darum, an Qualität oder Markenwirkung zu sparen, sondern Verpackungen konsequent nach dem Prinzip „fit for purpose“ auszulegen. Häufig lassen sich Materialien, Druckverfahren, Materialstärken oder Verpackungsformate optimieren, ohne dass der Verbraucher einen Unterschied wahrnimmt.
Welche Rolle spielen Standardisierung und Bündelung von Verpackungsvolumina bei der Kostenoptimierung?
Standardisierung und Volumenbündelung gehören zu den wirksamsten Hebeln der Verpackungsoptimierung. Viele Unternehmen verfügen über eine hohe Variantenvielfalt bei Formaten, Materialien oder Druckbildern. Jede zusätzliche Variante erhöht jedoch die Komplexität und reduziert die Einkaufsmacht. Durch die Standardisierung von Formaten, Materialstärken oder Kartonagen lassen sich Volumina bündeln und bessere Konditionen erzielen. Gleichzeitig sinken Prozesskosten und Lagerbestände. Besonders große Potenziale entstehen, wenn mehrere Standorte oder Werke gemeinsam einkaufen und ihre Bedarfe bündeln. In der Praxis wird dieses Potenzial noch häufig unterschätzt.
Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt zahlreiche neue Anforderungen. Welche Auswirkungen hat das auf die Verpackungskosten von Lebensmittelherstellern?
Kurzfristig dürfte die PPWR bei vielen Lebensmittelherstellern zunächst zu höheren Kosten führen. Unternehmen müssen bestehende Verpackungslösungen überprüfen, Materialien anpassen und teilweise neue Verpackungskonzepte entwickeln. Das verursacht Umstellungsaufwand und zusätzliche Investitionen. Langfristig kann die Verordnung jedoch auch positive Effekte haben. Wenn sich bestimmte Materialien und Verpackungslösungen als Standard etablieren, entstehen größere Volumina und bessere Skaleneffekte. Dadurch können sich die Kosten perspektivisch wieder stabilisieren oder sogar sinken. Kurzfristig ist allerdings eher mit steigenden Verpackungskosten zu rechnen.
Ab 2030 gelten strengere Vorgaben für Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteile in Kunststoffverpackungen. Welche Herausforderungen seht Ihr insbesondere für die Lebensmittelindustrie?
Die größte Herausforderung besteht darin, die Anforderungen an Recyclingfähigkeit mit den hohen Ansprüchen an Produktschutz und Haltbarkeit in Einklang zu bringen. Viele Lebensmittelverpackungen bestehen heute aus Verbundmaterialien, weil sie wichtige Barriereeigenschaften besitzen und Produkte zuverlässig vor Sauerstoff, Feuchtigkeit oder Aromaverlust schützen.
Die neuen Vorgaben erhöhen den Druck, verstärkt auf recyclingfähige Monomaterialien umzusteigen. Das ist technisch jedoch nicht in allen Anwendungsfällen einfach umsetzbar. Die Lebensmittelindustrie steht daher vor der Aufgabe, Verpackungen neu zu entwickeln, ohne die Qualität, Sicherheit oder Haltbarkeit der Produkte zu beeinträchtigen.
Viele Unternehmen befürchten steigende Kosten durch die neuen Kunststoff- und Recyclingvorgaben. Wo können sie gegensteuern und sogar Geld sparen?
Die neuen Vorgaben sollten Unternehmen nicht nur als regulatorische Pflicht verstehen, sondern auch als Chance, ihr Verpackungsportfolio grundlegend zu optimieren.
Wer ohnehin Verpackungen anpassen muss, sollte gleichzeitig Varianten reduzieren, Materialien standardisieren und Einkaufsvolumina bündeln. Auch die Überprüfung von Materialstärken oder Verpackungsdimensionen kann erhebliche Einsparungen ermöglichen. Darüber hinaus lohnt sich ein kritischer Blick auf die Lieferantenstruktur. Nicht selten werden Verpackungen über Handelsstufen bezogen, obwohl eine direkte Zusammenarbeit mit dem Produzenten wirtschaftlicher wäre. Wer frühzeitig handelt, kann einen großen Teil der zusätzlichen Kosten durch Effizienzgewinne kompensieren.
Welche Bedeutung haben Monomaterial-Verpackungen für Kosten, Recyclingfähigkeit und regulatorische Anforderungen der Zukunft?
Monomaterial-Verpackungen werden künftig eine zentrale Rolle spielen, weil sie deutlich besser recycelbar sind als klassische Verbundmaterialien. Die regulatorischen Anforderungen gehen klar in diese Richtung. Für viele Unternehmen bedeutet das jedoch einen technologischen Wandel, da Verbundmaterialien häufig eingesetzt werden, um bestimmte Schutzfunktionen zu gewährleisten. Langfristig werden Monomaterialien deshalb ein wichtiger Baustein für die Erfüllung der PPWR-Anforderungen sein. Gleichzeitig müssen Unternehmen sicherstellen, dass Produktschutz, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit weiterhin gewährleistet bleiben.
Wenn Ihr einem mittelständischen Lebensmittelhersteller nur drei Maßnahmen empfehlen dürften, um Verpackungskosten nachhaltig zu senken – welche wären das?
Erstens sollte das Unternehmen sein Verpackungsportfolio konsequent standardisieren und die Variantenvielfalt reduzieren.
Zweitens sollten Verpackungsvolumina über Produkte, Standorte und Werke hinweg gebündelt werden, um bessere Einkaufskonditionen zu erzielen.
Drittens sollte Verpackung als bereichsübergreifendes Thema verstanden werden. Einkauf, Produktion und Marketing müssen gemeinsam entscheiden, welche Verpackungslösungen tatsächlich notwendig sind und wo sich Kosten reduzieren lassen.
Unternehmen, die diese drei Hebel konsequent nutzen, können ihre Verpackungskosten häufig deutlich senken, ohne Abstriche bei Qualität oder Markenwirkung machen zu müssen.
Redaktion
Kloepfel Magazin
Christian Fischer
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